Reichling's Blog

Reichsirrtümer

Posted in Sonstiges by reichling on 25/09/2015

Bei Youtube bin ich auf ein erst kürzlich eingestelltes Video gestoßen.

In diesem Video unterhalten sich zwei Personen, eine Frau und ein Mann, fast eine Stunde lang über dieses Thema. Mit einigen ihrer Aussagen war ich nicht ganz einverstanden und habe dies auch in einigen Kommentaren kundgetan. Ein gewisser Ralf Gollup widersprach mir vehement. Sein bisher letzter Kommentar war etwas umfangreich. Und er zeigte deutlich, was auf Reichsseite so gedacht und geglaubt wird. Ich will hier auf seinen Kommentar antworten. Der von ihm stammende Text in fetter, kursiver Schrift dargestellt, meine Antwort auf die einzelnen Punkte in Normalschrift.

Deutschland ist nach wie vor das Deutsche Reich in seinen Grenzen bis zum 31. Dezember 1937 und die Bundesrepublik dementgegen nichts weiter als eine von den Alliierten eingesetzte Treuhandverwaltung!
Das war so, ist so und bleibt auch so…

Nichts ist beständiger als der Wechsel. Das gilt auch für Staaten. Deutschland war einmal das Deutsche Reich in den Grenzen vom 31. Dezember 1937. Aber dieses Deutschland hat am 1. September 1939 einen Krieg vom Zaun gebrochen und fast den ganzen Kontinent damit überzogen. Eines der Kriegsziele war die Veränderung der Grenzen in Europa, wozu auch die Auslöschung Polens gehörte. Vor allem sollte Lebensraum im Osten erobert werden. Und die restlichen europäischen Staaten wollte man von Deutschland abhängig machen. Die deutsche Staatsführung ging von einer unterschiedlichen Wertigkeit der einzelnen Völkerschaften aus. Am hochwertigsten waren die Germanen, die „nordische Rasse“. Sie wurden auch fälschlicherweise Arier genannt. Slawen waren minderwertiger und Juden wurden mit Ungeziefer verglichen, das beseitigt werden müsse. So Josef Goebbels in seiner Schrift aus dem Jahre 1927 „Nazi – Sozi“.
Nur den gemeinsamen opfereichen Anstrengungen der überfallenen europäischen Völker, vor allem der Sowjetunion und Großbritanniens, und der Unterstützung durch die USA gelang es, das menschenverachtende Naziregime zu besiegen.
Die Grenzen von 1937 wurden nur ein einziges Mal in den Dokumenten der Alliierten genannt, und zwar im SHAEF Gesetz Nr. 52, in dem es um Sperre und Kontrolle von Vermögen ging. Unter „Begriffsbestimmungen im Sinne dieses Gesetzes“ ist aufgeführt: Deutschland bedeutet das Deutsche Reich in den Grenzen vom 31. Dezember 1937.
Dies ist keine Bestandsgarantie für Deutschland in diesen Grenzen, sondern lediglich ein Hinweis, dass das Gesetz nicht in Österreich, im Sudetenland und anderen von Deutschland annektierten Gebieten angewendet werden konnte.Dass die Grenze Polens deutich nach Westen verschoben werden wird, war schon während des Krieges beschlossene Sache der Alliierten.

Demgemäß ist sie durch Verfügung in Gestalt der Streichung von der Präambel und dem Art. 23 des Grundgesetzes / Besatzungsstatuts für die Bundesrepublik vom 23. Mai 1949 von Seiten der Alliierten auf der Pariser Konferenz (2+4 Vertrag) am 17. Juli 1990 erloschen.

Diese Streichung des Art. 23 durch US-Außenminister James Baker oder jemand anderen ist ein Märchen. Sie hat nicht stattgefunden. Aber dieser 17. Juli 1990 hat mich doch mal interessiert, und ich habe, im Gegensatz zu den Reichsdeutschen, recherchiert. Mit den bei den Verhandlungen in Paris erzielten Fortschritten kam in Polen Besorgnis wegen der polnischen Westgrenze auf, die ja auch gleichzeitig die Ostgrenze des vereinten Deutschlands ist. Polen verlangte eine Garantie für seine Westgrenze und die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Grenze durch das vereinte Deutschland.

Mehrmals wurde bei den Verhandlungen die Präambel und Art. 23 GG angesprochen. Art. 23 ermöglichte den Beitritt weiterer deutscher Gebiete zum Geltungsbereich des Grundgesetzes.

Und so kam es zu folgender Vereinbarung der 6 Außenminister:

„Die sechs Außenminister erklärten sich mit der polnischen Forderung einverstanden, daß in der Verfassung des vereinten Deutschlands der Hinweis auf die deutsche Einheit nach der Präambel und die Beitrittsmöglichkeit nach Art. 23 nicht mehr enthalten sein sollte. Damit blieben jegliche weiteren Gebietsansprüche Deutschlands ausgeschlossen. Skubiszewski bezeichnete das Ergebnis des Treffens öffentlich als »völlig befriedigend«.“
(Elbe 180-181).
Dies wurde auch im 2+4-Vertrag festgehalten:

Art. 1 Abs. 4

„Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik werden sicherstellen, daß die Verfassung des vereinten Deutschland keinerlei Bestimmungen enthalten wird, die mit diesen Prinzipien unvereinbar sind. Dies gilt dementsprechend für die Bestimmungen, die in der Präambel und in den Artikeln 23 Satz 2 und 146 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland niedergelegt sind.“

Wie konnte die USA diesem Vertrag zustimmen, wenn doch angeblich Art. 23 schon am 17. Juli 1990, also lange vor der Vertragsunterzeichnung, vom US-Außenminister Baker aufgehoben worden war?

Das ist ganz einfach. Baker hat diesen Artikel gar nicht aufgehoben. Dazu hatte er auch keine Befugnis. Durch den 1955 in Kraft getretenen Deutschlandvertrag der Bundesrepublik mit den Westalliierten erlangte die Bundesrepublik den Status eines souveränen Staates. Dazu gehörte auch das Recht der Bundesrepublik, über ihre Verfassung, das Grundgesetz, alleine, ohne Zustimmung durch die Alliierten, entscheiden zu können. Und wie das Grundgesetz geändert werden kann, steht im Grundgesetz selbst.
Der Wegfall des Art. 23 wurde im Einigungsvertrag vereinbart, und zwar unter dem Abschnitt „Einigungsbedingte Änderungen des Grundgesetzes“. Auch wenn der Einigungsvertrag von Bundestag und Bundesrat schon einige Tage vor dem 3. Oktober 1990 ratifiziert worden ist, ist diese Änderung des Grundgesetzes erst am 3. Oktober 1990 in Kraft getreten. Die Änderung erfolgte ja unter der Bedingung der Wiedervereinigung.

Denn das Sozialgericht Berlin (Aktenzeichen S 72 Kr 443/93) hat ebenfalls im Urteil einer Negationsklage vom 22.9.1993 festgestellt, daß der sogenannte „Einigungsvertrag“ vom 31. August 1990 (BGBl. 1990, Teil II, Seite 890) ungültig ist, da man nicht zu etwas beitreten kann, was bereits am 17.7.1990 aufgelöst worden ist.

Das Urteil hat es schon gegeben, aber nicht mit diesem Inhalt. Das Sozialgericht Berlin hatte auch gar nicht die Kompetenz, über den Einigungsvertrag zu urteilen. Die Sache mit dem Urteil verhält sich ein bisschen anders.

Der selbst ernannte Reichskanzler Wolfgang Ebel, Berlin, reichte beim Sozialgericht eine Klage ein. Vielleicht ging es um Rentenansprüche aus seiner Zeit als Angestellter der Reichsbahn. Das ist aber nur eine Vermutung, das Urteil selbst liegt mir nicht vor. Ich werde mich aber bemühen, an den Text zu kommen.

In dieser Klage behauptete er die Ungültigkeit des Einigungsvertrages mit der hier angegebenen Begründung.

Das Landessozialgericht hat in seinem Urteil die Klage Ebels zitiert, auch mit der Behauptung über die Ungültigkeit des Einigungsvertrages, und dann die Klage abgewiesen. Ebel ist also vor dem Sozialgericht gescheitert.
Aber weil im Urteil der von Ebel behauptete Schwachsinn erwähnt wird, wurde das von Ebel und seinen Gefolgsleuten als Erklärung der Ungültigkeit des Einigungsvertrages durch ein untergeordnetes Gericht in Berlin verkauft.

Es ist nicht der erste Fall, wo auf Reichsseite aus einer Niederlage vor Gericht eine großartige juristische Bestätigung ihrer verschrobenen Ansichten gemacht wird. Die eigentliche Aussage des Urteils wird dann stets verschwiegen, denn darauf kommt es ja nicht an. Und man gibt nicht gerne zu, dass man verloren hat.

Nachtrag: Dennis Canidas hat in seinem Kommentar dankenswerter Weise einen Link auf den Volltext des erwähnten Urteils gesetzt. Es ist kein Urteil, sondern ein Gerichtsbescheid. Das Wort „Einigungsvertrag“ kommt an keiner einzigen Stelle vor. Entweder hat Ralf Gollup zwei Gerichtsurteile durcheinander geworfen, oder, was ich eher glaube, er hat ungeprüft irgendwelchen Schwachsinn von anderer Quelle übernommen.

Also, dementsprechend betreibt die Verwaltung namens BRD mit Wirkung vom 18. Juli 1990 nach Völkerrecht eine Diktatur, da sie seither schlichtweg jeglicher Legitimation durch irgend ein Volk – von offensichtlich streng Gläubigen, wie z.B. von Ihnen – entbehrt. Genauer, sie hatte gemäß der Drei-Elemente-Lehre von Georg Jelinek zu keiner Zeit weder ein Staatsvolk, noch ein Territorium und auch keine Staatsgewalt.

Das Datum 18. Juli 1990 ist reine Phantsie,da die angebliche Aufhebung des Art. 23 GG durch den US-Außenminister James Baker am 17. Juli 1990 überhaupt nicht stattgefunden hat.

Die Bundesrepublik Deutschland ist nach wie vor ein Staat, der sich seit dem 3.10.1990 auf ganz Deutschland erstreckt. Wir müssen uns halt damit abfinden, dass Adolf Hitler durch den zweiten Weltkrieg den östlichen Teil des Staatsgebietes endgültig für Deutschland verspielt hat. Außerhalb der Bundesrepublik gibt es völkerrechtlich kein Deutschland mehr, und Deutschland, heute in Gestalt der Bundesrepublik, erfüllt alle Punkte der Drei-Elemente-Lehre von Jellinek. Es sind Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt vorhanden.

Ein wie auch immer geartetes Deutsches Reich hat nichts dergleichen. Die gefühlten 20 Reichsregierungen sind bestenfalls Kneipenstammtisch-Debattierclubs oder Abzockorganisationen für leichtgläubige Zeitgenossen, die auf jeden Schwindel, auf jede Lüge, hereinfallen.

Das sind nun mal die historischen Fakten, deshalb lassen Sie uns von Ihrer political correctness doch nun zur historical correctness übergehen, einverstanden?!

Diese historischen Tatsachen sind nichts als verworrene Einbildungen und Zeichen einer absoluten Ahnungslosigkeit über die jüngere Geschichte Deutschlands.

Ob Ralf Gollup das je kapieren wird? Eine Eigenschaft der Reichsdeutschen ist nämlich, dass sie sich von Fakten nicht beirren lassen.

Wolfgang Schäuble und die Souveränität Deutschlands

Posted in Allgemeines by reichling on 07/05/2014

Die Rede des Finanministers Schäuble vor dem Europäischen Bankenkongress in Frankfurt im November 2011 ist für viele auf der rechten Seite der ultimative Beweis dafür, dass Deutschland kein souveräner Staat ist.

Ausschnitte aus dieser Rede sind bei Youtube an zahlreichen Stellen zu finden. Diese Videos dauern in der Regel um die zwei Minuten. Schäuble wird darin mit wenigen Sätzen wiedergegeben.

Man findet aber auch bei Youtube ein Video, das von dem Fernsehsender Phoenix eingestellt worden ist und 19:22 Minuten dauert. Der Beitrag enthält die komplette Rede Schäubles.

Wer sie lieber nachlesen will, kann dies hier tun:

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Reden/2011/2011-11-18-european-banking-congress.html?view=renderPrint

Die Aussage zur Souveränität Deutschlands macht nur einen kleinen Teil der Rede aus. Und sie kann nur dann richtig verstanden werden, wenn man auch das zur Kenntnis nimmt, was Schäuble vorher und nachher gesagt hatte. Aber dies wird von den rechten Youtube-Kanalbetreiber ausgeblendet. Es passt eben nicht zu ihrer Argumentation.

 

Personalausweise nur für Staatenlose?

Posted in Allgemein by reichling on 12/04/2014

Unsere Reichsfreunde sind auf eine erschreckende Erkenntnis gestoßen. Die Tatsache, dass wir Personalausweise haben, beweist nach ihrer Ansicht, dass wir staatenlos sind.

Auf dieser Seite ist das Abkommen zu finden, allerdings nur bis zu Artikel 28. Was danach kommt, ist so unwichtig, dass man es nicht aufgenommen hat.

Die beiden letzten, übernommenen Artikel lauten

Artikel 27 Personalausweise
Die Vertragsstaaten stellen jedem Staatenlosen, der sich in ihrem Hoheitsgebiet befindet und keinen gültigen Reiseausweis besitzt, einen Personalausweis aus.

Artikel 28 Reiseausweise
Die Vertragsstaaten stellen den Staatenlosen, die sich rechtmäßig in ihrem Hoheitsgebiet aufhalten, Reiseausweise aus, die ihnen Reisen außerhalb dieses Hoheitsgebiets gestatten, es sei denn, daß zwingende Gründe der Staatssicherheit oder der öffentlichen Ordnung dem entgegenstehen;

Der Seitenbetreiber kommt zu folgenden Feststellungen

Eine (rhetorische) Frage: was ist ein Reiseausweis ? – ein Reisepaß ist es nicht, sonst stände dies hier.
> ein Personalausweis fällt unter das Staatenlosenübereinkommen
Es steht somit außer Frage: jeder, dem ein Personalausweis ausgestellt wird bzw. wurde, fällt unter das Staatenlosenübereinkommen von 1951 bzw. 1954 !Wie Martin ausführte, werden auch in anderen EU Ländern Personalausweise ausgestellt ! – nicht zu verwechseln mit Personenausweisen, in denen eine andere „Art“ Person eine Urkunde ausgestellt wurde.

Endlich der ultimative Beweis, dass wir Staatenlose sind, sonst hätten wir ja keine Personalausweise.

Auch Tobias Sonntag ist auf diesen Umstand gestoßen.

Hier freut man sich sehr über die Aufklärung in dieser Frage.

Natürlich muss auch mein spezieller Freund Eisenblech in die selbe Kerbe hauen.

Man findet sicher ähnliche Aussagen noch auf etlichen anderen rechten Seiten im Internet.

Und besonders wichtig erscheint der Art. 27 des Übereinkommens von 1954.

Dieses Abkommen ist auch auf der Seite des Bundesinnenministeriums zu finden. Die Veröffentlichung wird dort nicht nach Art. 28 abgebrochen.

Dort heißt es in Art.27

Artikel 27
Personalausweise
Die Vertragsstaaten stellen jedem Staatenlosen, der sich in ihrem Hoheitsgebiet befindet und keinen gültigen Reiseausweis besitzt, einen Personalausweis aus.

Deutschland ist ja nicht das einzige deutschsprachige Land auf der Welt.

Also schauen wir mal nach, wie man in der Schweiz diesen Artikel wiedergibt.

Art. 27 Identitätsausweise (Schweiz)

Die vertragschliessenden Staaten stellen jedem Staatenlosen, der sich auf ihrem Gebiet aufhält und der kein gültiges Reisepapier besitzt, einen Identitätsausweis aus.

http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19540178/index.html

Oh, in der Schweiz bekommen Staatenlose ja gar keinen Personalausweis, sondern einen Identitätsausweis. Auch ansonsten hat man in der Schweiz nicht einfach die Übersetzung des Abkommens von Deutschland übernommen, sondern selbst übersetzt. So sieht man in diesem kurzen Text noch weitere Abweichungen.

Ein weiteres deutschsprachiges Land ist Österreich.

Art. 27 Identitätsausweise

Die vertragschließenden Staaten werden jedem Staatenlosen in ihrem Gebiete, der kein gültiges Reisedokument besitzt, Identitätsausweise ausstellen.

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20005924
Die Österreichische Übersetzung stimmt weitgehend mit der schweizerischen Übersetzung überein. Man hat sich aber für „Identitätsausweise“ entschieden, also die Pluralform (Plural heißt Mehrzahl, für die reichsdeutschen Leser meines Blogs).

Jetzt ist Deutsch keine Amtssprache bei der UNO. Ich war aber dennoch interessiert, wie dieser Text im von der UN beschlossenen Original heißt: Und ich wurde fündig. Ich habe mich für die französische Fassung entschieden.

Article 27 Pièces d’identité

Les États contractants délivreont des pièces d’identité à tout apatride se trouvant sur leur territoire et qui ne possède pas un tritre de voyage valable.

http://www.unhcr.fr/4b151d05e.html

Das franzöische Wort „pièce“ hat in diesem Zusammenhang die Bedeutung „Nachweis“. Das s am Ende des Wortes zeigt an, dass es in der Mehrzahl steht. „pièces d’identité“ ist also zutreffend mit „Identitätsnachweise“ zu übersetzen. Ob dies jetzt in den einzelnen Ländern mit „Personalausweis“ oder „Identitätsausweis“ oder wie auch immer wieder gegeben wird, ist jedem Land überlassen. Hier kommt es nicht auf den Namen des Dokuments an, sondern ausschließlich auf seine Funktion, seine Identität nachzuweisen.

Wenn jetzt jemand behauptet, der Personalausweis würde beweisen, dass sein Inhaber staatenlos ist, hat überhaupt nichts verstanden.

Ich habe mir dieses Übereinkommen noch ein bisschen weiter durchgelesen. Ab Artikel 33 beginnt ein Kapitel VI, überschrieben mit „Schlussvorschriften“ Was da drin steht, sind noch reine Nebensächlichkeiten, völlig unterinteressant, es lohnt sich nicht, dort zu lesen. Ich habe trotzdem gelesen. Und dabei bin ich an Art. 38 hängengeblieben.

Artikel 38
Vorbehalte

(1) Bei der Unterzeichnung, der Ratifikation oder dem Beitritt kann jeder Staat zu Artikeln des Übereinkommens, mit Ausnahme der Artikel 3, 4, 16 Absatz 1 und 33 bis 42, Vorbehalte einlegen.
(2) Hat ein Vertragsstaat gemäß Absatz 1 einen Vorbehalt eingelegt, so kann er ihn jederzeit durch eine diesbezügliche an den Generalsekretär der Vereinten Nationen zu richtende Mitteilung zurücknehmen.

Hat die Bundesrepublik Deutschland irgendwelche Vorbehalte eingelegt?

Wenn man die Seite des Bundesinnenministeriums ganz herunterscrollt, stößt man auf folgenden abschließenden Text

*Einige Staaten haben Vorbehalt zu bestimmten Artikeln des Übereinkommens erklärt. Hinweise hierauf befinden sich in der jeweils angegebenen Fundstelle im BGBl. II. Der Wortlaut der Vorbehalte und Erklärungen zu diesen Übereinkommen, mit Ausnahme derer Deutschlands, wird dagegen nicht im BGBl. veröffentlicht. Er ist aber in englischer und französischer Sprache auf der Webseite der Vereinten Nationen unter http://treaties.un.org einsehbar.

Auf der UN-Seite bin ich nicht auf die Schnelle fündig geworden.

Aber zum Glück sind unsere österreichischen Nachbarn nicht so pingelig gewesen und haben alle eingelegten Vorbhalte aller Staaten gleich zu Beginn ihrer Website veröffentlicht. Und da heißt es unter

Deutschland:

1. Art. 23 wird ohne Einschränkungen nur auf staatenlose Personen angewandt, die zugleich Flüchtlinge im Sinne der Konvention vom 28. Juli 1951 über den Status von Flüchtlingen und des Protokolls vom 31. Jänner 1967 über den Status von Flüchtlingen sind, darüber hinaus aber nur im Ausmaß der staatlichen Vorschriften.

2. Art. 27 wird nicht angewandt.

Hier sieht man wieder eine uralte Krankheit unserer lieben reichsdeutschen Freunden. Sie lesen einen Gesetzes- oder Vertragstext nur soweit durch, bis sie etwas gefunden haben, was ihre Ansicht vielleicht annähernd bestätigen könnte. Was danach kommt, interessiert sie nicht mehr. Und so stützen sie sich in diesem Fall auf eine Rechtsvorschrift, die in Deutschland überhaupt nicht gilt. Und da einer dem anderen ungeprüft abschreibt, verbreitet sich der allergrößte Schwachsinn in Windeseile im Internet.

Aber sie fühlen sich beleidigt, wenn man sie Reichsdepp nennt.

Nachtrag:

Wie ich nach der Abfassung und Veröffentlichung meines Beitrages herausgefunden habe, hat sich auch schon Eisenfraß in seinem Blog mit diesem Thema befasst.

http://eisenfrass.wordpress.com/2014/01/15/lugen-zum-thema-staatsangehorigkeit/

Auch er ist darauf gestoßen, dass Artikel 27 in Deutschland gar nicht anwendbar ist. Mir ging es aber auch darum herauszustellen, dass die Reichsdeutschen sich an für sie unverständliche Wörter klammern, wie z. B. Personalausweis, und daran ihre abstrusen Behauptungen aufhängen.

Hartmut Jörger und die Wiedervereinigung

Posted in staatenlos.info by reichling on 13/11/2013

In der Facebook-Gruppe staatenlos.info kann sich Hartmut Jörger so richtig austoben. Selbstverständlich hat er auch an der deutschen Wiedervereinigung etwas auszusetzen.

Und so entstand folgender, von ihm angeleierte Thread:

FBBeitrag Joerger

Einen Bildungsnotstand könnte man durchaus bestätigen, wenn man sich seine Beiträge bei Facebook durchliest.

Aber dieser eine Satz trägt durchaus bedenkliche Züge.

Er beanstandet, dass die Wiedervereinigung ohne unsere ostdeutschen Landsleute gefeiert wird.

Wieviele mögen das wohl noch sein? Als Ergebnis des von Deutschland 1939 begonnenen und 1945 mit Pauken und Trompeten verlorenen Krieges  musste der Kriegstreiber, Deutschland, im Osten auf erhebliche Gebiete verzichten. Gebietsverlust ist nun mal die Folge eines jeden verlorenen Krieges. Bereits 1945 sind die meisten dort lebenden Deutschen durch Vertreibung und / oder Flucht in die Gebiete gekommen, die von Deutschland dank der Politik Hitlers übrig geblieben sind.

Deutsche, die noch immer dort leben, haben sich inzwischen voll in den polnischen Staat integriert und fühlen sich als dessen Bürger. Polen lässt ihnen, im Gegensatz zu den Zeiten vor der politischen Wende in Europa, den Gebrauch iher Sprache zu, es gibt Zeitungen in deutscher Sprache, es gibt Radiosendungen und Fernsehsendungen auf deutsch. Und, wenn eine bestimmter Anteil an der Einwohnerschaft eines Ortes überschritten wird, können sogar zusätzlich deutschsprachige Ortsschilder angebracht werden.

Die Gebiete östlich von Oder und Neiße sind nun mal nicht so rein deutsch gewesen, wie sich das einige vorstellen. Noch bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts war in Schlesien die deutsche Sprache weitgehend auf die Städte beschränkt. In den Dörfern sprachen die meisten Menschen polnisch, wenn auch stark verwässert.

Diese Region zeichnete sich jahrhundertelang dadurch aus, dass Polen und Deutsche einträchtig nebeneinander wohnten, und das lange unter polnischer Herrschaft. Der berühmte Danziger Astronom (ich weiß, Danzig hat mit Schlesien nichts zu tun) Johann Hevelius (er lebte im 17.Jahrhundert) betrachtete sich als Untertan des polnischen Königs, und er widmete ihm sogar ein Sternbild.

Dieses friedliche Zusammenleben bekam erst Risse, als Ende des 18. Jahrhunderts Polen von der Landkarte verschwand und weite Teile seines früheren Staatsgebietes an Preußen fielen. Polen galten als Untertan zweiter Klasse. Sie wurden gegenüber Deutschen stets benachteiligt.

Heute haben wir die Chance, dass die östlich von Oder und Neiße lebenden Deutschen und die Polen wieder zum früheren, vorpreußischen Miteinander finden und zu einer Nation mit zwei Kulturen zusammenwachsen. Wir wollen sie uns von Hartmut Joerger und ähnlichen Nationalisten nicht kaputt reden lassen.